Wollhexe´s Strickbuch

Bunte Fäden

Des Abends ruhig im Kerzenlicht,
das sich im Glas des Rotweins bricht,
das Nadelspiel es klappert leis,
und zeugt von ungeheurem Fleiß.

Die bunte Woll in kleinen Ballen,
der Kater findet dran Gefallen,
sie lagern friedlich in ner Kiste,
vor Neid erblasst die Strickerliste.

So mancher wundervolle Strang,
rankt sich an einem Seil entlang,
das hier gespannt von Wand zu Wand,
und wartet auf die flinke Hand.

Damit die Wolle sich verwandelt,
als Socken später wird gehandelt,
zur Freude dann der Trägerin,
ist manchmal sogar noch was drin.

Ela, Juli 2004


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Der Club der einsamen Socken

Nichts ist trauriger als ein Paar, das nicht zusammenfindet. Keine Geschichte rührt uns so sehr wie die von Zweien, die zusammengehören und doch nicht mehr zusammenkommen können: Romeo und Julia, Werther und Lotte, Charles und Diana, Boris und Babs. Und das Lied von den Königskindern, "die hatten einander so lieb" ...

In unserem Haus ereignet sich diese ergreifende Geschichte drei Mal die Woche: Nach jedem Vollwaschgang.

Einsam liegen sie da in der Wäscheschüssel. Dunkel und weiß, gestreift und gepunktet, bedruckt mit Elefanten, Schlümpfen und Sesamstraßenmonstern. Traurige Hinterbliebene eines einstmals glücklichen und harmonischen Paares: Der Club der einsamen Socken.

Zu zweit waren sie alles: sinnvoll, modisch, wärmend, mobil und hübsch anzusehen. Einzeln sind sie nichts. Selbst ein neuer Partner kommt hier nicht in Frage: Wie soll Ernie im Gleichschritt mit Schlümpfen gehen, die Elefantensocke mit rosa Blümchen, der weiße Tennistyp mit dem schwarzen Feinstrick? Socken so stelle ich immer wieder fest, sind hoffnungslos monogam.

Niemals habe ich verstanden, wie eine solche Scheidung unter Strümpfen überhaupt vonstatten geht. Trennt sich der eine Partner schon am Fuß vom anderen? Schleicht er sich heimlich aus der Wäschetonne davon? Wird er von einer sockenfressenden Waschmaschine verschlungen? Und weil ich nicht weiß, wie sie getrennt worden sind, habe ich auch niemals aufgehört, auf eine Wiedervereinigung der Einsamen zu hoffen. Einzelne Socken wegzuwerfen, bringe ich nicht übers Herz. Stattdessen steht im Abstellraum ein großer Karton, in dem die Einsamen auf die Rückkehr ihrer Liebsten harren dürfen. Manche tun das nun schon fünf Jahre.

Doch jetzt - hurra, welche Freude! - bot sich im Kindergarten eine neue Lösung für unsere einsamen Socken an. In der Entengruppe sollte eine "Raupe Ursula" gebastlet werden: Eine lange Schlange war bereits genäht und mit Watte ausgestopft worden, jetzt fehlten der Raupe noch die Füße. "Wir bitten um alte Socken für unsere Raupe Ursula", stand am schwarzen Brett. Selig brachte ich den Club der einsamen Socken in den Kindergarten. Ausgestopft, zusammengenäht, an die Raupe geheftet wurden Ernie und der Tennistyp, Elefantensocke, Feinstrick und Schlumpfstrumpf zu Gliedmaßen von Ursula. Ihr Leben hatte wieder Sinn. "Und kannst du selber kein Ganzes werden", zitierte ich aus dem Poesiealbum, "Schließ an ein Ganzes dich an!"

"Bitte noch etwas alte Wolle mitbringen", hatte die Erzieherin zum Abschluss gebeten. Nur zu gerne wollte ich weiter zu solch schönen Kreationen beitragen, die Sinnloses wieder sinnvoll machen und Verlorenem neuen Halt geben. Fröhlich kramte ich in der Nähschublade. Und da, da ganz unten, da lagen sie:
Ernie und Schlumpf, Feinstrick und Blümchenstrumpf. Die Gegenstücke zu den neuen Füßen von Raupe Ursula.

Eine Geschichte von Eva Baumann-Lerch



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